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Femmeinismus 2.0
![]() Links: Pflichtübungen der 1980er Jahre: Karatetraining; rechts: Tabea Blumenschein, "Bartfrau", Öl auf Leinwand, 1992. Wigstöckel – Transgender UnitedWigstöckel e.V.Wigstöckel – Transgender United ist ein Forum für alle Menschen, die sich über transgender und unterschiedliche Inszenierungen von Geschlecht austauschen möchten. Es geht zurück auf eine Initiative der New Yorker Drag Queen Lady Bunny, die Mitte der 80er Jahre in New York in Anlehnung an Woodstock ein Benefiz-Event mit dem Titel „Wigstock“ gründete. Dabei ging es darum, mit einer großen Show und anschließenden Party einmal im Jahr sich selbst zu feiern und damit Präsenz zu zeigen, aber auch Vorurteile und Berührungsängste abzubauen und jeden, der mal in Frauenkleidern ausgehen wollte, dazu zu ermutigen.
Im Sommer 1996 brachte Gérôme Castell diese Idee unter dem Namen „Wigstöckel“ („Wig“ engl. Für „Perücke“ und „Stöckel“ für weibliche Damenschuhmoden) nach Deutschland. Inzwischen ist Wigstöckel zunächst ein jährliches großes Event, bei dem alle möglichen Transleute mit und ohne Operationen, Kings und Queens, Inbetweens und Menschen, die an Transgender -Themen
interessiert sind, gemeinsam eine Show mit anschließender Party auf die Beine stellen. Darüber hinaus organisiert Wigstöckel weitere Veranstaltungen wie Werkstätten mit unterschiedlichen Arbeitsschwerpunkten (z.B. Gesang oder Schauspiel) und Talks, also Diskussionsrunden zu unterschiedlichen Themen wie z.B. zur Sichtbarkeit von Transgender in den Medien. Zu Wigstöckel gehören außerdem der Walk of Fame als Galerie von verstorbenen Transgender-Persönlichkeiten, die Organisation des Transgender-Rememerance-Day und einer Open Stage, als Forum für neue Transgender, die ihre Ideen und Vorstellungen zu Trans-Themen auf der Bühne präsentieren wollen. Wigstöckel beteiligt sich an Veranstaltungen wie dem Hoffest der AHA, dem Stadtfest am Nollendorfplatz und hat enge Verbindungen zum TransGenderNetzwerk Berlin und dem Verein TransInterQueer.
Bei allen Aktivitäten von Wigstöckel geht es darum, einen Raum für die Auseinandersetzung mit transgender zu schaffen. Sie sollen außerdem der Sichtbarkeit von Transgendermenschen in der Öffentlichkeit dienen, im zweigeschlechtlichen Mainstream sowohl der Hetero-Gesellschaft, wie auch in der Homo-Szene.
Butches und FemmesBis in die 1970er Jahre war in der lesbischen Subkultur im angloamerikanischen Sprachraum die Unterteilung in Butches (im amerikanischen oft dyke, im deutschsprachigen Raum auch KV = „kesser Vater“) für betont maskulin auftretende Frauen, und Femmes für betont weiblich auftretende Frauen durchaus gängig wenn auch nicht zwingend. Dabei fühlten sich Butches eher zu Femmes hingezogen und umgekehrt, genauso gab es aber auch Butch-Butch- oder Femme-Femme-Beziehungen. Diese Unterscheidung in Butch und Femme galt nach dem Aufkommen des Feminismus während der 1970er und 1980er Jahre als „politisch nicht korrekt“ und wurde in der Lesbenszene abgelehnt. Dieser Teil lesbischer Geschichte wird beispielsweise in Leslie Feinbergs Träume in den erwachenden Morgen dargestellt. Seit Mitte der 1990er Jahre tauchen die Konzepte Butch und Femme wieder vermehrt in der lesbischen Subkultur auf. Keineswegs alle Lesben fühlen sich aber einer der beiden Gruppen zugehörig, es gibt auch Switcher, die mal die eine und mal die andere Rolle einnehmen und Lesben, die die beiden Kategorien nicht für sinnvoll halten. Die Kategorien sind vor allem vor dem Hintergrund der Kategorienkritik der Queer Theory umstritten. Außerdem wird in der Lesbenszene kritisiert, dass Femmes und Butches „Heterokopien“ seien, die negative patriarchale Strukturen und Machtverhältnisse stützen würden. Es gibt zunehmend wieder Femmes und Butches, die sich von dieser Kritik und den Vorurteilen emanzipieren und betonen, Femme/Butch sei keineswegs eine „Heterokopie“, da zum einen die Femme ja eine (wenn auch „maskuline“) Frau wählt und keinen Mann, und die Butch eine lesbische Frau (die Femme), und keine heterosexuelle Frau. Zum anderen wurde mit Judith Butler eingewandt, dass das Konzept einer Kopie ein Original voraussetzt, das nicht existiere, da es keine ontologischen Kriterien gebe, nach denen heterosexuellen bzw. femininen Frauen und maskulinen Männern die „natürliche“, „nicht abgeleitete“, „richtige“ Genderperformanz zugesprochen werden könnte. Lesben und TransgenderRoman_a KlarfeldMehr noch als Butches und Femmes wurden Drag Kings und Transmänner, insbesondere solche, die eine Verbindung zur lesbischen Subkultur haben oder hatten, kritisiert. Weit verbreitet war das Vorurteil, dass Transmänner grundsätzlich Lesben seien, welche lediglich einem gesellschaftlichen Druck zur Normativität (und eben nicht ihrer eigenen Geschlechtsidentität) nachgäben und damit Frauen und Lesben verrieten. Mittlerweile aber sind in weiten Teilen der lesbischen Subkultur (allerdings nicht überall) auch Männlichkeiten in dieser Form zugelassen, ausschlaggebend ist die Selbstidentifikation der betreffenden Personen. Einige Dragperformer_innen betrachten sich selbst als Lesben, und auch manche Transmänner, die sich der Lesbenszene zugehörig fühl(t)en, definieren weiterhin ihre sexuelle Orientierung als lesbisch. „Lesbisch sein“ ist dabei nicht automatisch an die Kategorie „Frau“ geknüpft. Gerade in Berlin sind innerhalb der "queeren Szene" die Grenzen fließend – man kann nicht von der Performance auf ein bestimmtes Geschlecht oder eine bestimmte sexuelle Orientierung schließen. (z.B: Drag King = Frau = Lesbe). Auch die Ablehnung lesbischer Transfrauen lässt erst seit einigen Jahren nach; während viele Lesben- und Frauengruppen, -veranstaltungen usw. auch für Transfrauen offen sind, stehen andere weiterhin strikt nur „geborenen Frauen“ offen. ![]()
Photo: Karentina aus Köln zurück zur Übersicht
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