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Die Ausstellung sahen mehr als 5.000 BesucherInnen. Noch immer ist es möglich, sich zur Ausstellung zu äußern! |
Lesben in Berlin von den 1970ern bis heute
Die Ausstellung ist beendet!
Dank an die KuratorInnen dieser AusstellungDr. Birgit Bosold, Michael Fürst, Franziska Schubert
Dank auch den beiden Mitarbeiterinnen im Hintergrund: Roman(a) Klarfeld, L. R. Tesch sowie die MitarbeiterInnen des Schwulen Museums.
Was in dieser Ausstellung lief, erfahren Sie unter Ausstellungsprogramm
Unter dem Titel L-Projekt wurd in einer dreimonatigen Sonderausstellung erstmals Politik und Kultur
lesbischer Frauen und der Lesbenbewegung der vergangenen vierzig Jahre in Berlin dargestellt. Nicht im Sinne einer linearen
Geschichtsschreibung wurde das Thema angegangen, sondern vielmehr unter dem Aspekt der Disparatheit. Diese zeigt sich
insbesondere an der Vielzahl und Verschiedenheit von Themenfeldern, die für lesbische Frauen in den unterschiedlichsten
Kontexten von Bedeutung waren. Dass es dabei entlang einer zeitlichen Chronologie Veränderungen gegeben hat, liegt
wiederum auf der Hand. Im Rahmen des Ausstellungsprojekts wurden die Themenfelder in Clustern organisiert, die Schwerpunkte
bündeln und somit zu Informationsquellen für die AusstellungsbesucherInnen wurden. Das Besondere des
Ausstellungskonzeptes war es, dass die scheinbar unabhängigen Cluster miteinander in Verbindung gebracht wurden und eine
Netzwerkstruktur entstand, die die vielfältigen Überschneidungen und Verknüpfungen der Themen sichtbar
machten.
Das Schwule Museum, dass im Laufe seiner langjährigen Ausstellungsarbeit bereits in verschiedenen Sonderausstelllungen
und in der Dauerausstellung zu "200 Jahre schwuler Geschichte" Aspekte der Geschichte lesbischer Frauen beleuchtet hat, wurde
zur Bühne für die erste umfangreiche Darstellung lesbischer Politik und Kultur in Deutschland. Mit dem L-Projekt
verstärkt das Museum seine Bemühungen um eine gleichberechtigte Repräsentanz lesbischer Frauen. Die
Ausstellung stellt einen weiteren wichtigen Meilenstein für die strategische Öffnung des Museums hin zu einem
lesbisch-schwulen bzw. 'queeren' Museum dar.
Gab es eigentlich eine Lesbenbewegung?
  
Diese Frage stand am Anfang des L-Projekts und ist leitend für die Konzeption der Ausstellung
geworden, in der es nicht darum ging, eine linear ablaufende Darstellung lesbischer Geschichte zu zeigen. Vielmehr stand die
in sich vielfältige und selten unproblematische Ausdifferenzierung politischer wie auch kultureller Aktivitäten
lesbischer Frauen im Vordergrund. Von Anfang an war es eher eine Minderheit der engagierten lesbischen Frauen, die
tatsächlich unter dem Label "Lesben" agierte. Ob wir das als "lesbische Selbstverleugnung" werten oder als Indiz
dafür, dass lesbische Frauen sozusagen "avant la lettre" auf identitätspolitische Konzepte verzichteten, mag als
eine der Leitfragen des Ausstellungsprojekts gelten. Doch wie eine Bewegung darstellen, die es so in ihrer Eindeutigkeit
nicht gegeben hat, die vielmehr erst im Verschwinden der "homosexuellen Frauen" der ersten Stunde sichtbar wurde? Anfangs
kämpften sie noch zusammen mit den schwulen Männern in den Gruppen der HAW (Homosexuelle Aktion Westberlin)
für ihre Emanzipation, wandten sich dann jedoch eher der feministischen Frauenbewegung zu, wo sie sich um die
Gründung von Frauenhäusern, -gesundheitszentren, -buchläden, -sommeruniversitäten, -zeitungen, -archiven,
-kulturzentren, -kneipen, - sportvereinen, -musikzentren, -hotels, -reiseveranstaltern .... kümmerten.
Keine dieser Initiativen machte die maßgebliche Beteiligung lesbischer Frauen explizit sichtbar. Nur sehr wenige
Projekte liefen unter einem lesbischen Label und dies eher am Rande der großen und vielfältigen feministischen
Frauenszene. Darunter fallen einige Zeitschriften wie die in Berlin produzierte UKZ oder die Lesbenpresse, politische Events
wie die Lesbenwochen, die Mitte der 1980er bis Mitte der 1990er Jahre in Berlin stattfanden, das LFT, ein seit Mitte der
1970er Jahre bis heute einmal jährlich stattfindendes bundesweites Lesbentreffen und Projekte wie das Lesbenarchiv
Spinnboden oder die Lesbenberatungsstelle. Alle zusammengenommen sind aber im Vergleich zu der Vielzahl der "Frauenprojekte"
der 1980er und 1990er eher marginal.
Seit Anfang der 1990er Jahre gewannen identitätskritische Schriften wie die Judith Butlers und anderer im Kontext der
sich entwickelnden "queer theory" an Bedeutung. Vor allem im akademischen Milieu der Universitäten und innerhalb einer
jüngeren Generation wurden und werden diese Texte stark rezipiert. Unter anderem führte die darin zentrale Kritik
an identitätspolitischen Konzepten der Frauen- oder Schwulenbewegung zu einer veränderten Sicht auf Lesben und ihre
"Bewegung". Aus dieser Perspektive ergibt sich ein sehr bewegliches, uneinheitliches Bild. Statt von einer Bewegung kann eher
von Annäherungen und Abgrenzungen zu anderen politischen Formationen, von einem Neben-, Mit- und auch Gegeneinander
subkultureller Projekte, sozialpolitischer Initiativen, subversiver Aktionsgruppen und anerkennungspolitischer Strategien
gesprochen werden. Das Ziel, via Homoehe, behördlicher Sonderbereiche für gleichgeschlechtliche Lebensweisen oder
unternehmensinterner "Diversity"-Programme in der Mitte der Gesellschaft anzukommen, existiert gleichzeitig mit - und eher
unberührt von - gender- und queerer Theoriebildung an den Universitäten sowie einer queeren Subkultur. Doch werden
lesbische Frauen in dieser von der "queer theory" geprägten subkulturellen Szene (Beispiele wären das Transgender
Netzwerk TGNB, Wigstöckel, das Dragkingfestival 2008) nicht wiederum als maßgebliche Aktivistinnen unsichtbar,
indem sie unter einem gemeinsamen Dach für Lesben, Bisexuelle, Schwule und "transgendered people" verschwinden, einem
Schirm für alle "Gendernauten" und sexuell Gesetzlosen, die sich jeglicher Identitätszuschreibungen verweigern?
Seit einigen Jahren nun, alles begann mit der US-amerikanischen Fernsehserie The L-Word, mehren sich die "L-" (lies:
Lbindestrich)-Bezeichnungen im lesbischen Mainstream. So wird das bundesweite Lesbenmagazin L-Mag vom Jackwerth Verlag
vertrieben und hat sich in Berlin die Lesbenparty L-Tunes etabliert. Darüber hinaus findet einmal im Monat die
L-Filmnacht im Cinemaxx am Potsdamer Platz statt, wo einschlägige Produktionen des lesbischen Filmkanons gezeigt werden.
Die neue 'L-Mentalität' nimmt die Ausstellung zum Anlass, um einen kritischen Blick auf die Vergangenheit und die
aktuellen Geschehnisse lesbischer Politik und Kultur zu werfen. Der Titel L-Projekt ist nicht etwa Zeichen affirmativer
Sorglosigkeit, sondern soll als Standortbestimmung in einem Hier-und-Jetzt verstanden werden, von der aus der Blick auf die
Geschichte allererst möglich ist. Dass diese immer schon perspektivisch und abhängig vom Interesse der
AusstellungsmacherInnen ist, sollte nicht als Problem angesehen werden. Vielmehr bietet sich hier die Möglichkeit
konstruktiver Kritik und anregender Diskussionen. Hierzu laden wir alle Interessierten herzlich ein!
Die Ausstellung konnte weder chronologisch, noch vollständig sein.
Was gezeigt wurde, folgte den Regeln des Visualisierbaren.
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